Schafkopfen

Die bayrische Kultur ohne das Kartenspiel Schafkopf wäre nur halb fertig, da etwas sehr wichtiges fehlen würde. Das Spiel, welches am Stammtisch, aber auch in Turnieren gespielt wird, ist eine besondere Kunst, bei deren Ausübung man alle Sinne beisammen haben muss, und vor allem zählen und rechnen können sollte. Auch, wenn es aussieht, als würden die Karten spontan auf den Tisch gelegt, steckt doch viel Kalkül dahinter. Die Karten haben beim Schafkopfen Wertigkeiten, und diese werden in den Stichen, die man nach und nach sammelt, zusammengezählt. Dabei gibt es insgesamt 120 Punkte, von denen das zusammen spielende Paar oder der Solo Spieler mindestens 61 verbuchen muss, um zu gewinnen. Ein As zählt elf Punkte, jeder Zehner zehn. Der König gibt noch vier Punkte, Ober und Unter noch drei beziehungsweise zwei. Das Besondere ist, dass der Zehner den König sticht.

Das Grundspiel ist das so genannte Rufspiel, bei dem man mit einer Farbkarte das dazugehörige As rufen kann. Nur das Herz As kann man nicht rufen, da es zu den Trümpfen gehört. Das Rufspiel kann nur gespielt werden, wenn kein höheres Spiel am Tisch angesagt wird. Ein Wenz, eine Dame oder ein Solo sind höher, und zwar in der genannten Reihenfolge. Hier folgen dann noch das Solo Tout und der Sie. Das Schafkopfen war lange Zeit eine Männerdomäne, jedoch findet man mittlerweile auch einige fesche Damen, vielleicht sogar im Dirndl, in den Turnieren, und manche Bedienung hilft auch am Stammtisch einmal aus, wenn der vierte Mann fehlt.

Der Sie ist eine Hand, die man nur sehr selten bekommen wird, wenn überhaupt. Er besteht aus allen so genannten Bauern, also allen Obern und Untern, den höchsten Trümpfen außer den Herzkarten. Außerdem kann er nur zustande kommen, wenn die lange Variante, also diejenige mit acht Karten pro Spieler gespielt wird. Bei der kurzen Form bekommt jeder Spieler nur sechs Karten, die Siebenen und Achten werden aus dem Spiel genommen.

Wichtig ist, egal welches der Spiele angekündigt wird, immer darauf zu achten, welche Karten schon gespielt wurden. Es schadet auch nicht, mitzurechnen, wie viele Punkte man schon hat. Die oberste Regel ist, immer Farbe oder Trumpf zu bedienen, auch wenn man andere karten ablegen könnte. Also muss man der As auch die zehn zugeben und somit wichtige Punkte aus der Hand geben; man darf nicht stechen, außer man ist farbfrei. Schafkopfen lernt man, indem man sich die Regeln erklären lässt, und dann einige Male zusieht, bis man sich das erste Mal an einen Spieltisch setzt.