Wetterchaos
Die etwas älteren Semester werden sich sicher noch daran erinnern, wie viel Schnee noch vor ungefähr zwanzig Jahren in den Wintermonaten lag. Meterhoch türmte sich die weiße Wand teilweise neben den Straßen. Den Schnee wegzuschaufeln war an der Tagesordnung. Die Mittelgebirge waren noch das, was man gemeinhin als schneesicher bezeichnet. Buchte man einen Skiurlaub in einem der Ferienorte in den Mittelgebirgen, so konnte man sicher sein, dass im gebuchten Zeitraum auch ausreichend Schnee zum Skifahren vorhanden war. Heute ist das nicht mehr überall so. Ob daran der sogenannte und sehr berühmte Klimawandel eine Schuld trägt, kann wohl niemand mit absoluter Gewissheit sagen.
Früher waren die Winter auch noch kalt. Und zwar nicht nur einige Tage lang, wie es heute noch der Fall ist. Die Kälte zog sich über Wochen hin. Beschwert hat sich zu dieser Zeit eigentlich niemand, denn es war ja schließlich Winter. Und zum Winter gehört eben dann und wann eine gewisse Kälte. Genau wie eben auch der Schnee. Aber nicht nur Schnee und Kälte gehören zum Winter. Auch Stürme finden ab und zu in der kalten Jahreszeit statt. Diese können natürlich auch schon mal ein bisschen heftiger ausfallen. In den Mittelgebirgen kommen dann auch schon mal Orkanböen vor, in den noch höher gelegenen Gebirgen gibt es natürlich auch schon mal einen ausgewachsenen Orkan.
Stürme gehen manchmal auch mit Gewittern einher. Das ist nun mal so und eigentlich kein Anzeichen für den Klimawandel. Finden Gewitter im Winter statt, so wird es üblicherweise dabei starken Schneefall geben. Auch das ist eigentlich ganz normal für ein Gewitter im Winter. Nicht normal wäre es dagegen, wenn ein Gewitter im Sommer stattfindet und es dabei schneien würde. Dann müsste man sich schon fragen, was jetzt nicht in Ordnung ist. Aber Schnee im Sommer kommt eben nicht vor. Findet also ein Gewitter im Sommer statt, so kann man davon ausgehen, dass, falls es dabei zu Niederschlag kommt, dieser als Regen fällt.
Auch hier kann die Menge des Niederschlags schon einmal mehr sein als eigentlich üblich ist. Was für die Kälte im Winter gilt, gilt natürlich auch für die Hitze im Sommer. Es kommt eben gelegentlich vor, dass sich die vom Thermometer angezeigte Temperatur klammheimlich an der dreißig Grad Marke vorbeischleicht. Auch das ist ein völlig normaler Vorgang, der sich seit etlichen Sommern wiederholt. Vor zwanzig Jahren hat sich dafür auch noch niemand weiter interessiert. In der heutigen Zeit scheint diese aber nicht mehr so zu sein.
Man muss sich nur einmal die diversen Wetterberichte anhören oder ansehen. Sei es bei den etlichen Radiosendern, die man heutzutage empfangen kann oder sei es bei einem der zahlreichen Fernsehsender. Beschäftigt man sich einmal einige Zeit mit den Wetterberichten in diesen Medien, so wird man irgendwann feststellen, dass die Welt wohl kurz vor ihrem Untergang stehen muss. Sieht irgendein Meteorologe auf seinem Radarbild oder auf irgendeiner der ihm zur Verfügung stehenden Karten einen Sturm oder auch nur ein laues Lüftchen auftauchen, so wird sofort eine Wetterwarnung oder gar eine Unwetterwarnung herausgegeben.
Das gilt natürlich nicht nur für Lüftchen und Stürme sondern selbstverständlich auch für sämtliche anderen Arten von Wetterlagen, die man sich nur vorstellen kann. Mittlerweile ist es soweit, dass es eigentlich kein normales Wetter mehr gibt. Es gibt nur den Ausnahmezustand. Im Sommer ist es entweder zu heiß oder zu kalt. Keinesfalls herrscht die normale Temperatur. Die Winter sind ebenfalls zu warm oder zu kalt. Es gibt zu viel Schnee oder zu wenig Schnee. Keinesfalls die normale Menge Schnee. Ist es länger als vier Tage kälter als minus zwanzig Grad, so werden sofort Sondersendungen auf sämtlichen Sendern geschaltet. Offenbar hat man Angst, dass die Menschen in diesem Land ohne die wertvollen Tipps aus diesen Sendungen nicht überleben können.
